Amor’s Pfeil trifft meist unerwartet
Ein Exkurs über die Liebe zum Frühlingsanfang - Wenn die Hormone verrückt spielen
Die wahre Liebe ist weder käuflich noch erzwingbar. Amors Pfeil trifft häufig genau dann, wenn Mann oder Frau es am wenigsten erwarten und nicht daran denken. Am Valentinstag schenken sich Verliebte Zeichen ihrer Liebe. Meist Blumen, Schmuck, Gedichte, ein schönes Essen oder Pralinen. Unterpfande des Gefühls, das unabhängig vom Verstand agiert. Und genau darin liegt der Pferdefuß gescheiterter Beziehungen. Nach der Phase der losgelösten Verliebtheit und dem Liebestaumel schleicht sich der Alltag ein, in dem der Verstand und nicht das Gefühl regiert. Es ist paradox. Einerseits streben viele in unserer westlichen Kultur nach Sicherheit und Geborgenheit in der Ehe oder Partnerschaft. Andererseits wundern sich Paare dann, wenn sie sich damit ihr eigenes Gefängnis gezimmert haben.
Zu viel Sicherheit schadet
Alles wird berechen- und vorhersehbar, auch der Sex im gemeinsamen Schlafzimmer. Für Spontaneität ist kein Platz mehr und die Diskussionen um die Abzahlung des Hauses oder über die Müllsortierung killen die Erotik. ‘Sex ist nicht so wichtig’, meinen manche und schieben das Problem von sich. Doch die vermeintlich abwesende Erotik, die einer Kameradschaft gewichen ist, wird häufig durch eine außenstehende Person urplötzlich wie ein schlafender Tiger wieder geweckt. Die Fälle sind recht unterschiedlich. Mal möchte einer der beiden Partner Sex und der andere nicht. Bei anderen Paaren ist die Lust ganz abhanden gekommen.
Einigkeit von Körper, Geist und Seele
Der Psychotherapeut und Buchautor Peter Lauster sieht in der Kombination von Körper, Geist und Seele die echte Liebe begründet. Und zu dieser gehört auch das Sexuelle. Es ist ein Urtrieb des Menschen und besteht bis zum hohen Alter fort. Lausters Ansicht nach kann der Funke in einer erkalteten Beziehung wieder durch mehr Spontaneität entfacht werden. Da sich Gefühle aber nicht 1:1 wiederholen lassen, ist allerdings von dem Besuch einstiger romantischer Orte abzuraten. Um die Liebe wiederaufleben zu lassen, muß der Grundstein dafür einmal gelegt worden sein. Denn es ist die bittere Wahrheit, dass nicht alle Paare aus Liebe heiraten.
Indikatoren für die wahre Liebe
Liebe ist im Grunde genommen von einer Beziehung oder Ehe unabhängig. Manche Pärchen wundern sich, dass ihre Verbindung früh scheitert. Sie glauben sich geliebt zu haben. Aber: was ist Liebe? Peter Lauster nennt einige Merkmale, die unter Garantie nichts mit Liebe zu tun haben. Darunter fallen: sich an vielem am anderen stören, aber nichts sagen; eigene Wünsche zu unterdrücken; den anderen für sein eigenes Ego brauchen; einen Financier benötigen; lediglich Gemeinsamkeiten haben sowie keine erotischen Gefühle für den Partner aufbringen. Wie Peter Lauster hält auch der Psychotherapeut und Theologe Bert Hellinger die Sexualität - gepaart mit Seele - für essentiell in einer Liebesbeziehung. Hellinger formuliert es so: ‘...die besondere und in einem tiefen Sinn unauflösliche Bindung zwischen Mann und Frau entsteht durch den Vollzug der Liebe.’ Und an anderer Stelle: ‘Das Begehren darf nicht zu einer entwürdigenden Abweisung führen, weil wir an diesem Punkt besonders verletzlich sind.’ Das ist dann der Punkt, an dem es kritisch wird. Gelingt es, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, bevor der andere untreu wird, kann die Partnerschaft gerettet werden. Ansonsten wird es schwierig. Wenngleich mit Liebe und Vergebung mehr erreicht wird, als durch Rache, Schimpf- oder Haßtiraden.
Rache und Hass sind kontraproduktiv
Besonders eindrucks- und wirkungsvoll schaffte das Danielle Thoma, die Frau des früheren RTL-Chefs Dr. Helmut Thoma. Sie gewann ihren Mann durch eine positive Ausstrahlung und mit Liebe wieder. Sie war sich sicher, dass er zu ihr zurückkehren würde und machte ihm keine Vorwürfe. Da die Liebe überhaupt einmal vorhanden war, konnte sie wieder ‘aktiviert’ werden. Nicht jeder ist so souverän wie Danielle Thoma. Nicht wenige Frauen oder Männer reagieren mit gekränktem Stolz, Eifer- und Rachsucht. Auch die Gesellschaft stellt Ehebrecher an den Pranger. Dazu Bert Hellinger: „Eine Beziehung außerhalb der Ehe wird oft als etwas ganz Schlimmes angesehen. Wenn einer der Partner eine Außenbeziehung hat, verhält sich der vermeintlich Unschuldige oft so, als hätte er ein Recht, den anderen für immer für sich zu behalten. Das ist eine Anmaßung. Statt dass er den anderen durch Liebe zurückgewinnt, verfolgt er ihn oft.“
Eifersucht ist kein Indikator für Liebe
Vielleicht ist in solchen Fällen einfach keine echte Liebe für den Partner vorhanden, sondern etwas anderes der Auslöser für ein solches Verhalten. Laut Peter Lauster ist Eifersucht kein Gradmesser für die Liebe. Die Eifersucht symbolisiert vielmehr das Maß der Trennungsangst. Menschen, die den anderen für sich beanspruchen, haben häufig ein Ego-Problem und ein mangelndes Selbstwertgefühl. Die Nachrichten sind tagtäglich voll von erschütternden Meldungen, in denen von mordenden Familienväter, deren Frau sie verlassen wollte. Das ist jedoch eine krankhafte Form der Eifersucht mit Disposition zur Gewalt. Komplettes Fehlen von Eifersucht kann auch ein Zeichen für Gleichgültikeit sein. Denn es wäre schon sehr seltsam, wenn es dem Partner egal ist, wenn der einen anderen küsst.
Das Liebesglück ist sichtbar
Die Liebe ist ein Kind der Freiheit. Und vor allem macht sie sehend statt blind. Es mag eigenartig klingen, aber Menschen, die lieben, leuchten von innen. Es heißt, die Augen seien der Spiegel der Seele. Und genau darin spiegelt sich das geliebte Wesen. Nur die beseelte Liebe, die es selten gibt, erzeugt den weicher werdenden Gesichtsausdruck und die strahlenden, lebendigen Augen. Reine Sexualität schafft das nicht. Bei der echten Liebe hat die Ratio nichts verloren. Sie ist und bleibt ein Wunder, das sich jeder wünscht und hoffentlich vielen begegnet.
(c) Corinna S. Heyn